Musik / CD

Sotiria: Hallo LebenDes Grafen neue Stimme

Es gibt unzählige von ihnen: kurzlebige Bands, die letztlich nur als Randnotiz in die Popgeschichte eingehen und bei deren Erwähnung den meisten wenig mehr als ein "Stimmt, da war mal was" durch den Kopf schießt. Eisblume sind so eine Erscheinung: Ende des letzten Jahrzehnts standen sie mit ihrem Debüt "Unter dem Eis" vor allem bei jungen Hörern hoch im Kurs. Mit dem Cover "Eisblumen" - im Original stammt der Song von den gestandenen Mittelalter-Rockern Subway to Sally - landeten die Newcomer einen veritablen Hit. 2012 folgte ein nicht mehr ganz so erfolgreiches zweites Album ("Ewig"), danach kam nichts mehr. Nun meldet sich Sängerin Sotiria mit ihrem ersten Soloalbum "Hallo Leben" zurück. Und auch diesmal gibt es einen prominenten Namen im Hintergrund.

Er übergebe Sotiria sein musikalisches Erbe, teilte der Graf, der bis vor Kurzem noch das Gesicht und die Stimme von Unheilig war, allen Fans mit. Folgerichtig bezeichnet er "Hallo Leben" als gemeinsames Studioalbum. Um das Ganze zu unterstreichen, und sicher auch, um zusätzlich auf die Werbetrommel zu hauen, tritt er zusätzlich auf zwei Songs als Duett-Partner in Aktion. Wer zur limitierten Fanbox des Albums greift, kommt sogar in den Genuss einer ganzen Bonus-CD, auf der zwölf Nummern nochmals in ihrer originalen Unheilig-Demoversion enthalten sind.

"Ich hab' keine Angst. Alles wird gut", singt Sotiria im ersten Stück "Alles auf Anfang". Man will der angenehmen, immer noch jungen und melancholischen Stimme der 31-Jährigen gerne Glauben schenken. Allerdings: Überhaupt nix wird gut. Im Gegenteil. Mit zunehmenden Verlauf des Albums wird alles nur schlimmer. Langsamer Pop ohne Dynamik und Originalität wabert dahin. Kein Horizont, keine wehenden Segel, kein Ozean. Nein. Ein stehendes Gewässer ist "Hallo Leben", gelegen irgendwo im trostlosen Feuchtgebiet zwischen Staubkind und Schlager, zwischen Schwarzpop und Süßholzfeld.

"Halt mich fest in deinen Armen, wir träumen uns're eigene Welt. Warten, bis die Sonne aufgeht. Und der Mond vom Himmel fällt." Eine Zeile aus dem Duett "Mit Dir" -gesungen vom Grafen. Was in der Spätphase von Unheilig immer mal wieder wehtat, wird bei Sotiria zum chronischen Schmerz: Von Tränen aufgeweichte Liebesbezeugungen, persönliche Menscheleien und von maritimen Metaphern geschwängerte Motivationsarien reihen sich aneinander, vorhersehbar wie die nächste Flut an der Nordseeküste.

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Und damit das alles nicht zuviel wird, übernimmt irgendwann auf "Hallo Leben" der nach gängigen Vorlagen gestrickte Schlager das Ruder. Das ist mal passabel ("Zwischen Himmel und Hölle"), mal gähnend langweilig ("Unbesiegbar"). Vom Biss hingegen, vom dunklen Rock, der ebenso zu Unheilig gehörte wie die sanfte Seite, ist auf diesem Album rein gar nichts zu spüren. Möglich, dass einige Fans dieses Album goutieren werden. Vielen wird diese Art der Erbverwaltung jedoch gehörig gegen den Strich gehen.

Sotiria auf Tour:

29.03. Hamburg, Gruenspan

30.03. Beverungen, Stadthalle

31.03. Osnabrück, Rosenhof

01.04. Köln, Die Kantine

02.04. Bochum, Zeche

04.04. Dresden, Alter Schlachthof

05.04. Delbrück, Stadthalle

06.04. Berlin, Columbia Theater

07.04. München, Technikum

Alexander Diehl

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelHallo Leben
Bandname/InterpretSotiria
Erhältlich ab19.10.2018
LabelPolydor
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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