Musik / CD

Fall Out Boy: ManiaWie ein popmusikalischer Schwamm

Um die Altersvorsorge kümmerten sich die vier Jungs aus Chicago zeitig: Schon mit der zweiten Major-Label-Veröffentlichung "Infinity On High" (2007) begannen die harten Gitarren-Riffs und die Pop-Punk-typischen Sprechchöre langsam in den Hintergrund zu rücken, dafür gab's dann Stadionrock-Refrains à la Panic! at the Disco und ein Jay-Z-Feature. Diese Entwicklung treiben Fall Out Boy knapp zehn Jahre später mit "Mania" auf die Spitze. Manisch ist bei diesem Album höchstens das Aufsagen aktueller Popmusik-Trends.

"Hold Me Tight" kommt mit quietschenden Synthesizern, Reggaeton-Rhythmik und Fingerschnipsen daher und könnte auch aus dem Papierkorb von Major Lazer stammen. Das zugehörige Musikvideo zeigt die Musiker dann aber weder in Puerto Rico noch auf Jamaika, wo diese Einflüsse am ehesten zu Hause wären, sondern bei einer Festlichkeit, die an den mexikanischen Tag der Toten angelehnt ist. Mexiko, das ist nicht weit, und dieser Feiertag wurde ja auch im letzten James-Bond-Film als ziemlich cool dargestellt.

Für "Sunshine Riptide" holt man sich dann den nigerianischen Reggae-Sänger Burma Boy ins Boot - da könnten Fall Out Boy vom Emo-Sound früherer Tage nicht weiter entfernt sein. Den Fans jenes verblichenen Genres wird dafür mit "Wilson" Genüge getan, wo es heißt: "I'll stop wearing black when they make a darker colour". Schwarze Band-Shirts sind allerdings auch schon lange nicht mehr in Mode, und eine derart abgedroschene Phrase wird selbst für High School-Kids mit bunten Haaren nicht einmal mehr zum Wand-Tattoo taugen.

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Die Ballade "Heaven's Gate" könnte ebenso gut von Maroon 5 stammen, der hymnische und wie ein Mantra wiederholte Refrain von "Champion" von Imagine Dragons. Man verliert schnell den Überblick über die vielen Anleihen, die "Mania" wie ein popmusikalischer Schwamm aufsaugt und zu einem inkohärenten, seelenlosen Stück Musik auftürmt.

Die letzten Anspielstationen "Young And Menace" und "Bishops Knife Track" treiben das überproduzierte Gezeter auf die Spitze. Da hört man effektbeladene Synthesizer und wirr durch die Gegend gepitchte Vokal-Samples, die selbst einem Großraumdisco-Publikum auf die Nerven gehen würden. Vielleicht sollten Fall Out Boy in Zukunft das Langspiel-Format hinter sich lassen und Film-Trailer vertonen. Da darf man nämlich gerne mal etwas überdramatisch zu Werke gehen, muss aber keine Zusammenhänge über mehr als zwei Minuten herstellen.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelMania
Bandname/InterpretFall Out Boy
Erhältlich ab19.01.2018
LabelIsland
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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