Musik / CD

Camila Cabello: CamilaMehr als eine südamerikanische Eintagsfliege?

Man kann den Radio-Hit "Havana" lieben oder hassen, aber kalt lässt der Ohrwurm niemanden. Die Liebeserklärung von Camila Cabello an ihren Geburtsort ist zwar etwas eintönig, doch sie brennt sich unweigerlich ins Gedächtnis ein. Wochenlang klebte der Track ganz vorne in den Charts, Camila Cabello war zuletzt schon die viertmeist gestreamte Künstlerin auf Spotify. Doch ein Megahit macht noch keinen Megastar. Angesichts des schlicht "Camila" betitelten Debütalbums stellt sich also die Frage: Haben wir es mit einer kubanischen Eintagsfliege zu tun? Oder hat Camila Cabello das Zeug, sich über Jahre an der Spitze zu etablieren?

Gleich vorneweg: "Camila" ist eine Überraschung, und zwar eine gute. Nach dem schwindelerregenden Erfolg von "Havana" konnte man befürchten, dass die Macher auf Nummer sicher gehen würden und den Mix aus südamerikanischem Zeitlupen-Rhythmus und monotoner Melodie, der den Song so einprägsam machte, auf zehn weiteren Tracks reproduzieren. Das Gegenteil ist der Fall. Kein einziger Song des Albums erinnert an "Havana".

Die Platte ist so abwechslungsreich, dass sich davon viele Konkurrentinnen eine Scheibe abschneiden könnten. Zudem beweist Camila Cabello, dass sie es auch stimmlich mit den Stars im Pop-Olymp aufnehmen kann. Davon merkte man bei "Havanna" noch nichts, denn da wirkte Cabello (zumindest für die Kritiker) noch wie eine quäkende Nervensäge auf Morphium, der man unterstellen konnte, eigentlich keine Lust auf das eigene Lied zu haben.

Doch schon der Album-Opener "Never Be The Same" (bereits im Dezember als Single veröffentlicht) offenbart, wie viel mehr die Kubanerin stimmlich drauf hat. Kaum zu glauben, dass diese Stimme 2012 bei der US-Version der Castingshow "X-Faktor" früh rausflog. Erst danach folgten die Girlgroup-Karriere mit Fifth Harmony und einige Solo-Singles, die hierzulande allerdings kaum wahrgenommen wurden.

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"Camila", das erste eigene Album, welches ursprünglich den deutlich sperrigeren Titel "The Hurting. The Healing. The Loving." tragen sollte, ist ein sehr persönliches. Das deutete die 20-Jährige schon vorab auf Facebook an: "Ich kann es kaum erwarten, dass ihr hört, wie der Soundtrack zum vergangenen Jahr meines Lebens klingt." Alle Songs seien verbunden mit "besonderen Erinnerungen".

Während Tracks wie "Never Be The Same" oder "Into It" opulent inszenierter Pop im Stil von Katy Perry oder Sia sind, setzen Balladen wie "All These Years", "Real Friends" oder "Consequences" auf minimalistische Akustik-Arrangements. Südamerikanische Rhythmik à la "Havana" bietet nur "She Loves Control", allerdings bei sehr viel höherem Tempo. Mit Cabellos Vorzeige-Song hat der Rest des Albums letztlich nur eines gemein: das Ohrwurm-Potenzial.

Mit "Camila" liefert die kubanisch-US-amerikanische Sängerin nach ihrem Ausstieg bei Fifth Harmony ein beeindruckendes Debüt-Album. Werbeverträge mit Kosmetik- und Modefirmen hat sie auch schon in der Tasche. Es deutet also vieles darauf hin, dass das hier keine südamerikanische Eintagsfliege ist, sondern dass man von Camila Cabello noch eine Menge mehr hören wird.

Michael Eichhammer

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelCamila
Bandname/InterpretCamila Cabello
GenrePop
Erhältlich ab12.01.2018
LabelSony Epic
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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